Quality Function Deployment (QFD) ist eine von Yoji Akao und Shigeru Mizuno in Japan entwickelte Anforderungsmethode, die Kundenbedürfnisse durch eine Kette von Matrizen in technische Merkmale, Teilemerkmale und Prozessanforderungen überträgt, wobei sich die Prioritäten bei jedem Schritt fortpflanzen. Die bekannteste Matrix, das House of Quality, ordnet Kundenbedürfnissen messbare technische Merkmale zu, und ihr Korrelationsdach legt Konflikte zwischen diesen offen. Das Ergebnis ist eine gewichtete Liste technischer Merkmale mit Zielwerten.
QFD
Details
- Vollständiger Name
-
Quality Function Deployment (品質機能展開, hinshitsu kinō tenkai)
- Auch bekannt als
-
House of Quality (die bekannteste Matrix, nicht die Methode selbst), Qualitätsfunktionendarstellung, Deployment der Kundenstimme
Kernkonzepte:
- Deployment heißt Weiterreichen, nicht Übersetzen
-
QFD trägt Kundenbedürfnisse durch eine Kette von Matrizen — Bedürfnisse in technische Merkmale, diese in Teilemerkmale, diese in Prozess- und Fertigungsanforderungen. Jede Matrix erbt die Gewichte der vorigen. Was am Anfang wichtig war, hat an der Maschine noch Gewicht. Das Wort im Namen ist Deployment: Priorität pflanzt sich fort.
- Das House of Quality
-
Die erste Matrix und das Erkennungszeichen der Methode. Kundenbedürfnisse (die WHATs) bilden die Zeilen, messbare technische Merkmale (die HOWs) die Spalten, der Rumpf hält fest, wie stark jedes Merkmal jedes Bedürfnis bedient. Seitenräume tragen Kundengewichte und den Wettbewerbsvergleich, der Keller die Zielwerte je Merkmal.
- Das Korrelationsdach hat sonst niemand
-
Das Dreieck über den Spalten hält fest, wie sich die technischen Merkmale untereinander verhalten — welche einander verstärken und, das ist der Punkt, welche einander widersprechen. Leichter und steifer. Schneller und billiger im Betrieb. Sicherer und einfacher zu bedienen. Eine
pugh-matrixbewertet Optionen gegen Kriterien, einkano-modelordnet Bedürfnisse ein. Keines von beiden fragt, was die technischen Größen einander antun. Das Dach zwingt diese Zielkonflikte ans Licht, bevor ein Entwurf feststeht. - Zielwerte statt Wünsche
-
Das Ergebnis ist eine gewichtete Liste technischer Merkmale mit Zahlen daran. Aus „reaktionsschnell" wird eine Millisekundenangabe. QFD ist die Maschinerie, die vom Adjektiv zur Zahl führt.
- Die Kundenstimme bleibt Kundenstimme
-
Bedürfnisse werden in den Worten des Kunden notiert und erst danach abgebildet. Diese Disziplin gibt es, weil der übliche Fehler darin besteht, dass jemand still eine Lösung an die Stelle eines Bedürfnisses setzt.
- Wichtige Vertreter
-
Yoji Akao und Shigeru Mizuno entwickelten die Methode in Japan; Wikipedia datiert den Beginn auf 1966 und hält fest: „With the late Shigeru Mizuno, he developed Quality Function Deployment." Die erste große Anwendung ist die stets zitierte: Das House of Quality „appeared in 1972 in the design of an oil tanker by Mitsubishi Heavy Industries". Als Werft wird fast immer Kobe genannt; eine Primärquelle dafür ließ sich nicht bestätigen, deshalb endet dieser Anker beim Unternehmen. Quellen: Wikipedia, Yoji Akao und Wikipedia, Quality function deployment.
Wann einsetzen:
-
Wenn aus einem Haufen vager Stakeholder-Wünsche eine gewichtete, messbare Liste technischer Ziele werden soll
-
Früh in der Produkt- oder Architekturdefinition, bevor Optionen entstehen — QFD liefert die Kriterien, gegen die eine
pugh-matrixspäter bewertet -
Überall dort, wo Qualitätsmerkmale einander widersprechen und jemand den Zielkonflikt aussprechen muss
-
Als Anforderungsvorstufe eines
dmaic- oder DMADV-Projekts, in dem die CTQs des Kunden hergeleitet und nicht behauptet werden sollen -
In bereichsübergreifender Arbeit, in der Marketing, Design und Entwicklung aneinander vorbeireden
Häufige Missverständnisse:
-
❌ „QFD ist das House of Quality" — das Haus ist eine Matrix in einer Kette; das QFD Institute nennt diese Gleichsetzung „a most common myth"
-
❌ „QFD bewertet Optionen" — es leitet Merkmale und Zielwerte her; konkurrierende Entwürfe bewertet die
pugh-matrix -
❌ „QFD ersetzt das Gespräch mit Kunden" — es verarbeitet die Kundenstimme, es erhebt sie nicht
-
❌ „Größere Matrizen sind gründlicher" — die Größe ist der häufigste Grund fürs Scheitern
-
✓ „Im Dach stecken die Konflikte" — der meistgenannte Grund, QFD statt eines einfacheren Werkzeugs zu nehmen
Kritik:
-
Die Zahlen sind nicht die Art von Zahlen, für die Ingenieure sie halten. Andrew Olewnik und Kemper Lewis, „Limitations of the House of Quality to provide quantitative design information", International Journal of Quality & Reliability Management 25(2), 125–146 (2008), DOI 10.1108/02656710810846916. Sie zeigen: Das Haus stützt den konzeptionellen Entwurf, aber „the quantitative information that results is largely invalid", weil Entwickler die Zahlenausgaben so lesen, wie es die Annahmen der Methode nicht hergeben — und wer sich darauf stützt, riskiert „potentially invalid and/or poor decisions". Abstract bei Emerald.
-
Die Matrix skaliert nicht, und das sagt das Institut der Erfinder selbst. Das QFD Institute: „In some projects, the HoQ can have 1000 rows x 1000 columns = 1,000,000 relationships to examine and quantify. This could take years to complete!" Und weiter: „95% of the customer needs and functional/non-functional requirements identified in HoQ are too low priority to assign engineering resources or budget to improve." QFD Institute, „Classical, Blitz, or Reverse QFD".
-
Der Westen übernahm das Bild und ließ die Methode liegen. Glenn Mazur beim QFD Institute: „Consider the HoQ as a highway interchange between the customer and the engineer. To limit QFD to only this tool is like building the interchange in an empty field without connecting roads." Das Institut nennt QFD-als-nur-HoQ „a most common myth" und hält fest, das Haus sei „neither the starting point nor the finish in most QFD studies". QFD Institute, „What is House of Quality (HoQ)?".
-
Die Rechnerei war von Anfang an fragwürdig. Mazur zur ISO-Norm: „Quality professionals have long decried the abacus math in Japanese models brought to the U.S. in the 1980s" — ordinale Bewertungsskalen ohne „equality of intervals" wurden trotzdem multipliziert und summiert. Mazur, „ISO 16355: The New Standard for QFD, Part 1", Quality Magazine, 26. August 2024.
Aktueller Stand:
-
QFD ist genormt, und die Norm stuft das Haus herab. Die neunteilige Reihe ISO 16355 deckt QFD ab; Teil 1 ist ISO 16355-1:2021, „Application of statistical and related methods to new technology and product development process — Part 1: General principles and perspectives of quality function deployment (QFD)", Ausgabe 2, bestätigt am 31. Mai 2021, Nachfolger der Erstausgabe von 2015. Mazur fasst die Verschiebung zusammen: „The House of Quality and other time- and resource-intensive matrices are now optional and more efficient effect-to-cause diagrams are recommended for most projects."
-
Blitz QFD ist die schlanke Antwort auf den Komplexitätsvorwurf. Das QFD Institute schuf es „to address the trend towards Lean Thinking and Agile Development"; in Blitz QFD „the House of Quality may be completely unnecessary" — an seine Stelle treten eine Maximum Value Table und ein Ursache-Wirkungs-Diagramm, die nur die höchstpriorisierten Bedürfnisse weiterreichen.
-
Achte auf die Kluft zwischen Name und Artefakt. Der starke Prior ist in den meisten Modellen das Bild vom House of Quality, nicht die volle Deployment-Kette und nicht der ISO-Prozess. Wer QFD nennt, sollte dazusagen, was er meint.