Gutes Deutsch nach Wolf Schneider

Details
Vollständiger Name

Gutes Deutsch nach Wolf Schneider

Auch bekannt als

Wolf Schneiders Schreibprinzipien, Schneiders Stilregeln

Kernkonzepte:

Kurze Sätze

Bevorzuge kurze, direkte Sätze gegenüber langen, komplexen Konstruktionen — jeder Satz sollte einen einzigen Gedanken ausdrücken

Aktiv statt Passiv

Verwende aktive Konstruktionen; vermeide Passiv und unpersönliche Konstruktionen wo immer möglich

Verben statt Substantive

Ersetze Substantivierungen (Nominalstil) durch Verben — "wir entscheiden" statt "eine Entscheidung wird getroffen"

Konkrete Sprache

Verwende spezifische, greifbare Wörter statt abstrakter Verallgemeinerungen; bevorzuge das Besondere gegenüber dem Allgemeinen

Keine Füllwörter

Eliminiere schwache, redundante oder leere Wörter, die keine Bedeutung hinzufügen — "eigentlich", "grundsätzlich", "im Grunde genommen"

Einfache Wörter zuerst

Wähle ein geläufiges, vertrautes Wort gegenüber einem Fremd- oder Fachwort, wenn beide dieselbe Bedeutung tragen

Lesbarer Rhythmus

Variiere die Satzlänge bewusst, um einen natürlichen Leserhythmus zu erzeugen; Monotonie ermüdet den Leser

Leserorientierung

Jeder Satz soll dem Leser dienen; schreibe nie um zu beeindrucken, sondern nur um verstanden zu werden

Schlüsselvertreter

Wolf Schneider ("Deutsch für Profis", 1982; "Deutsch! Das Handbuch für attraktives Schreiben", 2005)

Wann zu verwenden:

  • Beim Verfassen klarer, wirkungsvoller Prosatexte für professionelle oder öffentliche Zielgruppen

  • Beim Überprüfen oder Redigieren technischer Dokumentationen, Berichte und E-Mails

  • Beim Coaching von Autoren zur Reduktion von bürokratischer oder akademischer Sprache

  • Zur Verbesserung interner Unternehmenskommunikation

  • Beim Unterrichten von deutschem Schreibstil und Rhetorik

Verwandte Anker:

Kritik:

  • Deskriptive Linguisten lehnen die Sprachkritik-Tradition ab, für die Schneider steht — persönliche Stilvorlieben als objektive Normen des Deutschen auszugeben und Sprachwandel als Verfall zu deuten; Anatol Stefanowitsch (Sprachlog) nannte Schneider den „Sprachpapst" und „obersten Sprachnörgler der deutschsprachigen Journaille" (2012)

  • Schneiders Polemiken jenseits der Handwerksregeln sind umstritten: seine Kampagne gegen Anglizismen ("Speak German!", 2008) und seine Mitinitiierung des Aufrufs "Schluss mit dem Gender-Unfug!" (2019) stießen auf breite Kritik aus der akademischen Linguistik — in diesen Punkten weichen seine Normen vom heutigen Sprachgebrauch ab

  • Die handwerklichen Kernregeln (kurze Sätze, Verben statt Substantive, konkrete Wörter) sind in der Journalistenausbildung weitgehend unbestritten; die Kritik richtet sich gegen den Anspruch allgemeiner Gültigkeit, nicht gegen den Werkzeugkasten — die englischsprachige Parallele ist die Linguisten-Kritik an Strunk & White